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In anderen Ländern
Ich gestehe: viel Dampf um den Regio-Shuttle
Mit
Interesse und Freude habe ich gelesen, dass das Surental nun wieder mit
einem Regio-Shuttle bedient werden soll. Der Regionenschüttler soll nun
erneut Sursee mit Triengen verbinden. Das war fast während der ganzen
Zeit des letzten Jahrhunderts so und gibt mir auch den Anlass zu einem
Bekenntnis zu einem Ereignis vor nunmehr 34 Jahren.
Ich bin gleich neben der Geleisen der Surentalbahn in Geuensee
aufgewachsen. Als damals die gute alte Surentalbahn durch Busse abgelöst
werden sollte, gründeten wir die ’Surentaler Befreiungsfront’. Wir
waren ein paar Halbwüchsige, grad mal so um die 16 Jahre alt und
mediatisiert von den Befreiungsfronten, die damals quasi überall auf
der Welt aufblühten: Palästina, Angola, Mozambique und wohl in
hundert weiteren Ländern. Ein Konzept hatten wir Kinderkrieger natürlich
nicht: wir wollten einfach diesen Bus nicht. Natürlich planten wir Anschläge,
so harmlos sie heute erscheinen mögen: Nägel auf die Strasse streuen,
zum Beispiel. Aber über ein zögerliches Flugblatt kamen wir
Dorfguerilleros nicht hinaus. Trotzdem fuhr der erste Bus am 25. September
1971 unter Polizeischutz – so glaube ich mich zu erinnern. Noch heute
schreibt die Surentaler Bahn auf ihrer Homepage: ’Die aufgebrachten
Gegner drohen mit Attentaten’. Ein Attentat haben wir damals nicht
geschafft und auch nicht den Mut dazu gehabt. Tja, ich gebe zu, das war in
unseren jungen Jahren. Und es ist selbstverständlich, dass ich meine
damaligen Kumpanen nicht verpfeife – auch jetzt nicht.
Seither hat sich das Surental wohl an die gelben Busse gewöhnt und auch
an das komfortable, eigene Auto. Ich gebe zu: wenn ich bei meinen Besuchen
in Geuensee den gelben Bus durch die grüne Landschaft ziehen sehe, denke
ich an Postauto, Berge und Heimat. Die Buslinie hat sich eingelebt wie die
sich zu einer Heiratsdampfbahn reduzierte ST - mit Erfolg übrigens, wie
ich den überfüllten Voranmeldungen entnehme. Der gelbe Bus hingegen ist
zu Morgenzeiten so überfüllt, dass dies aufmerksamen Polizisten
auffallen müsste – es aber scheinbar nicht tut. Manchmal ist er auch so
leer, dass der Fahrer vor Einsamkeit gähnt. Trotzdem fährt er pünktlich
und gehört inzwischen zum Inventar des Surentals.
Aber es ist interessant zu beobachten, dass jedes Jahr um den 1. April
herum Ideen auftauchen, die offenbar ein Bedürfnis der Menschen ausdrücken.
So berichtete eine Basler Zeitung von einer Pille, die unsere
Halbpromilleexistenz mit einem Schlag polizeitauglich mache. Oder eben:
die Surseer Woche zeigte den neuen Regio-Shuttle in einer geradezu
genialen Fotomontage. Der weiss-grüne Zug solle fortan im Stundentakt
verkehren und sogar neue Haltestellen wie im Surseer Industriegebiet Nord
bedienen, verkündete die Surseer Zeitung in ihrem gross aufgemachten
Frontbericht. Der erste Zug solle ’Gemeinde Triengen’ heissen und
damit ist der Trisa-Town ja auch Ehre gereicht, hat sie im letzten
Jahrhundert ja doch erfolgreich verhindert, dass ihre Arbeiter morgens
termingerecht im Industriegebiet von Sursee erscheinen konnten und so im
Niedriglohngebiet von Triengen verharren mussten. Andererseits finde ich
den Namen der kommenden zweiten Komposition ’Stadt Sursee’ ebenfalls
gerechtfertigt. Damit demonstriert Sursee endlich, dass es ausserhalb der
Stadttore auch noch ein Surental gibt mit Geuensee, Büron undsoweiter.
Der Deal ist also perfekt: Wir gehen in Sursee einkaufen und nutzen dazu
die Bahn.
Nun aber, wir zeichnen dieser Tage den Beginn April und wir alle wissen,
was das bedeutet. Trotzdem ist mit diesem Surseer Woche -
Frontseitenartikel wohl die Diskussion eines Regionalzuges wieder eröffnet
und es hat mehr als ein Drittel eines Jahrhundert gedauert, bis sie wieder
aufgenommen wurde. Dazu schon allein möchte ich als ehemaliger
Schmalspurbahn-Terrorist der Surseer Zeitung danken.
In Zeiten, wo im Kongo tausend Kilometer Eisenbahn wieder erneuert werden
und das Ergebnis sogar von der UNO als Friedenszug gefeiert wird; in
Zeiten, wo Ökologie und Ökonomie koexistieren müssen, finde ich die
Idee eines Zuges zwischen Triengen und Sursee durchaus diskussionswert und
gar eine Erweiterung nach Luzern ist nicht abwegig. Kurzum: das Ziel muss
Linie 10 / S-Bahn Luzern sein.
Aber eben: zu Zeiten des 1. Aprils tauchen Ideen auf, die zuweilen weit in
die Zukunft greifen. Aber Gedankenfutter sind sie allemal. Und davon ernähren
sich rege Geister. Vielleicht sprechen wir in ein paar Jahren wieder darüber.
Franz Stadelmann
Der gebürtige
Geuenseer Franz Stadelmann ist Ethnologe. Er arbeitete viele Jahre in
Afrika für die Entwicklungshilfe, dann baute er in Madagaskar ein eigenes
Managementunternehmen und ein Reisebüro auf (www.priori.ch). Er
arbeitet dieser Monate bei der DEZA in Bern und ist zuständig für die
Aktionen im Rahmen von Tsunami-Indonesien. Seine direkte Telefonnummer
ist: 076 409 91 98 |
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Aprilscherz
mit Folgen
«RegioShuttle»
kam nicht – Apéro in Triengen fand trotzdem statt
Die
auf der Frontseite der letzten Ausgabe der Surseer Woche angekündigte
Taufe des neuen Dieseltriebwagens vom Typ «RegioShuttle», der den
Personenverkehr auf der Sursee-Triengen-Bahn (ST) wieder aufnehmen
sollte, löste zweierlei Reaktionen aus: Für die meisten was es sofort
klar, dass es sich um einen Aprilscherz handeln musste. Andere hingegen
nahmen die Story für bare Münze. Wie jene Schülerin aus Geuensee
etwa, die sich darüber freute, ab dieser Woche mit dem Zug nach Sursee
zur Schule fahren zu können, und die ST Betriebsleitung anfragte, ob denn
das «Gleis 7»-Abo auf der neuen S-BahnLinie 10 auch gültig sei.
Zugegeben:
Es war ein Aprilscherz. Das Bild des weiss-grünen Triebwagens wurde im
letzten Oktober vor dem Depot der Erfurter Bahn in Deutschland aufgenommen
und zeigt ein Fahrzeug der Süd-Thüringen-Bahn (STB). Um daraus den
Surentaler «RegioShuttle» zu kreieren, brauchte es eine kleine
Photoshop-Spielerei, um aus «STB» «ST» und aus «Süd-ThüringenBahn»
«Sursee-Triengen-Bahn» zu machen sowie mit fahl-gelben Punkten auf der
Matrix-Fahrzielanzeige im Frontfenster das Wort «Triengen» zu
simulieren.
Es gab
auch Reaktionen auf den Aprilscherz, welche die Vision der Wiederaufnahme
des Schienenpersonenverkehrs im Surental als durchaus überdenkenswert
einstufen. So freute sich darüber etwa der Büroner FDP-Grossrat
Christian Forster in einer E-Mail. Er hatte dieses Thema (und eine zusätzliche
Haltestelle im Surseer Industriegebiet Nord) übrigens im Zusammenhang
einer P&R-Anlage auf der Surseer Allmend aufs Tapet gebracht. Und der
gebürtige Geuenseer Franz Stadelmann befasst sich in der Rubrik «In
anderen Ländern»
(siehe Seite 2 dieser Ausgabe) mit der Umstellung des Personenverkehrs im
Surental von der Schiene auf die Strasse im Jahr 1971. Er ist ebenfalls
der Ansicht, dass Personenzüge zwischen Triengen und Sursee (-Luzern) in
einigen Jahren wieder ein Thema sein könnten.
Diejenigen,
die dieser Story Glauben schenkten und am Freitagnachmittag auf dem
Bahnhof in Triengen
aufkreuzten, gingen keineswegs leer aus. Der Dampfbahnverein Surental
(DVS) offerierte den rund 20 Personen wie versprochen einen Apéro.
Speziellen Schienenverkehr auf der ST Strecke gabs kurz zuvor übrigens
trotzdem: Die «Tigerli»-Dampflok 5 unternahm nach ihrem Winterschlaf
eine erfolgreich verlaufene Probefahrt. Die Dampfsaison 2005 ist also
gesichert...
Daniel
Zumbühl
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